Abschmück- Party mit behördlicher Intervention

Wie in jedem Jahr trafen sich nach dem Schützenfest einige wackere Recken, um die gelb-blauen Jubelfetzen von den Häusern wieder abzunehmen und mehr oder weniger ordentlich in die Aufbewahrungskisten einzumotten. Eine weitere Truppe richtete derweil den kompanieeigenen Festplatz vor des Hauptis Garage her, um das Ende des Festes mit einem Fest zu würdigen.

So wurden von Gruppe 2 in der Zeit, in der Gruppe 1 auf den Leitern herumturnte und die Klöppelarbeiten vom Anschmücken an den Dachrinnen und Laternenmasten enttüdelte, Pavillons, Stehtische, Bierzeltgarnituren und natürlich Grill und Pilzpfanne für deren Rückkehr vorbereitet. Nachdem dann alle Wimpelketten wieder ihren Weg in die Kisten gefunden hatten, versammelten sich alle am Antreteplatz, um dort „Essen zu fassen“: Neben dem bereits erwähnten Pilzpfannengericht und Grilltier gab es auch selbstgemachte Salate, so dass die verausgabten Kräfte wieder regeneriert werden konnten.

Nach und nach trafen auch weitere Gäste ein, allerdings aufgrund des durchwachsenen Wetters nicht so zahlreich wie in den vergangenen Jahren. Trotzdem füllte sich der Platz unter dem Kompaniebanner zusehends, und alle verbrachten ein paar gesellige Stunden miteinander. Die Runde war so ausgelassen und fröhlich, dass zwei Briten sich dachten: „Hey, da wird Bier getrunken, also muss dort eine Kneipe sein!“, und sich vor der Theke anstellten, um das deutsche Traditionserzeugnis der detmolder Brauerei zu kosten. Mit dem gefühlt hundert Jahre alten Schulenglisch, mit dem die Engländer mehr Probleme zu haben schienen als der Sprecher, wurde den beiden darauf aufmerksam gemacht, dass es sich nur um eine „Privatveranstaltung“ handelte und auch in unseren Gefilden das Bier nicht einfach aus Garagen heraus ausgeschenkt wird. Friedlich ließen sie sich dann von uns den Weg in eine „richtige“ Kneipe erklären. Neben diesen „Zufallsbesuchern“ gab es aber auch eine Menge Ehrengäste zu begrüßen: So gab sich unter anderen Honoritäten auch das aktuelle Königspaar mit Hofstaat die Ehre.

Es wurde den ganzen Nachmittag und Abend lang gegessen, getrunken, gelacht und gesungen, und trotz der niedrigen Außentemperatur blieb es ab Nachmittags trocken. Später am Abend erschollen in den Altstadtgassen noch die Klänge eines schottischen Dudelsackes und der dumpfe Schlag einer Drum: Beim Steigerlied, Nessaja und Amazing Grace musste so mancher Zuhörer seine Tränen zurückhalten.

Männer werden bekanntlich nie wirklich erwachsen, und so plante man in Erinnerung an den historischen Zweck der Schützen als „Bürgerwehr“ auf einem nahen Ausbildungsparcours noch eine Geländeübung. Daran nahmen sechs Männer und eine Frau teil, die sich im Überqueren von Behelfs- Hängebrücken, im sicheren Bewegen auf instabilem Untergrund, der Geschicklichkeit auf einer Rotationskonstruktion und weiteren im Notfall vielleicht nützlichen Fähigkeiten übten. Leider kam durch Zufall schon kurz nach Beginn des Nachtmanövers die Staatsmacht vorbei, die dieses unangemeldete Training beendete: Das Klettergerüst, das Trampolin und das Karussell mussten verlassen werden. Nach Aufnahme der Personalien räumten die Beteiligten Altstadtschützen den Spielplatz ohne Gegenwehr und feierten auf dem Antreteplatz weiter. Schade, dass bei der Polizei so wenig Verständnis für die Bad Driburger Historie vorhanden ist … 😉

Wie in jedem Jahr war auch dieses „Abschmücken“ ein würdiger Ausklang des Schützenfestes, und die Resonanz bei Mitgliedern und Freunden des Vereines zeigt, dass gemeinsames Feiern auch im Zeitalter von Playstation und Netflix noch nicht „passè“ ist.