Königschießen: Wieder Würdenträger bei der 2. !

… NOCH hat er’s gemütlich!

Die diesjährige Adlerjagt fand bei schönstem Sommerwetter statt. Doch wer dachte, der edle Gockel im luftigen Horst würde durch das heiße Wetter schnell schlapp machen, der war schief gewickelt. Es wurde ein zähes Unterfangen, den Raubvogel aus seinem Ansitz zu vertreiben!

Gut gelaunt und voller Erwartungen zog der Lindwurm in grünem Wollzeug auf die Höhe am Stadtrand, um für das kommende Traditionsfest die Titel auszuschießen. Hatte sich beim Pöbel bereits herumgesprochen,

dass es in diesem Jahr mindestens einen Aspiranten auf die Krone gäbe, war vielen trotzdem unklar, wer es denn sein mochte. So begann das Schießen mit einer langen Schlange von Schützen, die sich alle mal an der Adlerjagd versuchen wollten.

Das Zepter runtergeholt: euphorischer Abgang

Bereits bei seinem Ehrenschuss konnte „uns‘ Haupti“ seine Medaillenserie vervollständigen: Nachdem der güldene Kopfschmuck des hölzernen Federtieres und das Reichsobst bereits in den vergangenen Jahren Opfer seiner sicheren Hand wurden, fiel in diesem Jahr endlich auch das Zepter vom Sockel, was Rüdiger Böger hocherfreut mit einer triumphierenden Faust bei seinem Abgang vom Schießstand quittierte.

Sein Bruder Jörg Böger indeß machte sich auf die Suche nach der Wanderkette („Wo isse denn nu‘ schon wieder hingewandert?…“), traf im Wettbewerb um den begehrten Halsschmuck die nötigen Ringe mehr als seine Konkurrenten und wurde würdiger Nachfolger des letztjährigen Kettenträgers .

Dessen aber nicht genug: Auch der Jungschützenkönig wird in dieser Saison aus dem gut bestückten Fundus sicherer Schützen im Bestand der Altstadtkompanie gestellt! Bastian Büchel wird sicherlich ein hervorragender Repräsentant unserer Jugend sein. Das er „ordentlich die Kuh fliegen lassen“ kann, hatte er in der Vergangenheit schon bewiesen. Einem auch für die Jugend attraktiven Schützenfest wird es jedenfalls nicht abträglich sein, wenn ein Würdenträger des Vereines sich sicher unter seinesgleichen bewegen kann. Um die Jugend etwas weiter in den Focus zu rücken, wird auch er wieder seinen eigenen Hofstaat führen dürfen.

zur Verwirrung einiger Zuschauer eifrig dabei: Der Altkönig Christian Giacomin

Das Schießen um die Königswürde hingegen hatte zunächst die Spannung nicht missen lassen. Nachdem die Insignien abgeräumt  und der „Bierkönig“ ausgemacht war, was in diesem Jahr recht fix ging, da von Beginn an mit der entsprechend potenten Großwildmunition gekämpft wurde, waren jetzt alle Zuschauer neugierig, wer denn nun um die schwere Traditionskette buhlen würde. Etwas Zweifel ging über den frisch aufgehübschten Schützenplatz, als der alte (und auch „vor- alte“!) König Christian Giacomin selbst nach seinem Ehrenschuss nicht den Mut verlor, und auch als die Reihen der Schützen sich lichteten, immer wieder am Geschütz stand und nachladen ließ! Was war da los? Mehrfach wechselte er sich mit Christof Loke, seinem Adjutanten, beim Schießen ab. Wollte er einen „Hattrick“ versuchen, nachdem er nun schon im zweiten Jahr hintereinander das Schnabeltier erlegt hatte? – Nein, „Giacko“ zog sich zwar spät, aber noch rechtzeitig vom Schießstand zurück. Scheinbar wollte er unter dem Vorwand, „den Vogel mürbe schießen“ zu wollen, nur das Kribbeln noch einmal erleben. Verbliebener Schütze am Gewehr war noch Christof Loke. Aber nicht ganz: Ein weiterer Wollrockträger stand plötzlich an und ließ drei, vier mal nachladen! Wollte er den Titel holen? Mario Pankoke brachte die Spekulationen erneut in Wallungen. Doch er zog „die Sache“ nicht durch und überließ nun Christof das Feld.

Dieser lieferte sich ein hartes Gefecht mit dem verstockten Vogel in seinem luftigen Brutkasten: Schuss um Schuss schleuderte der Kaminkehrer dem Tier entgegen, die Projektile wirbelten dem Greif mächtig das Gefieder durcheinander, seine Frisur war dahin. Trotzdem ließ der Adler, von dem nunmehr noch der Torso auf dem metallenen Dorn die Stellung hielt, diesen nicht los! Es war, als hätte jemand heimlich einen Kern aus zähem Silikon in die Holzfigur implantiert. Die Splitter flogen, der Torso nicht. Die versammelte Schützengemeinde wartete gespannt auf das Auseinanderbrechen des verbliebenen Holzscheites. Hartnäckig widerstanden die Reste der Traditionsschnitzerei jedem Versuch von der unter ihr liegenden Feuerstellung, den letzten Spliten fallen zu lassen. Doch Christof Loke gab nicht auf, denn wenn ein Schütze „will“, dann „will“ er und bringt es zu Ende! Und wenn die Reste nur aufgrund des Gewichtes der zusätzlich inkorporierten Geschossbleie irgendwann abbrechen würden! Nach über einer Stunde des Durchlöcherns musste der Greif dann doch aufgeben und stürzte zu Boden: Wir hatten wieder einen König! „Habemus Loke!“

Von der Altstadtkompanie einen herzlichen Glückwunsch und ein schönes Schützenjahr!

IB